Android-TV-Box im Botnetz – so prüfst du dein Gerät

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Analyse

Eine billige Android-TV-Box kann schon ab Werk ein Werkzeug von Kriminellen sein. Google meldete am Montag, ein Botnetz aus mehr als 1,3 Millionen TV-Boxen zerschlagen zu haben, dessen Hintertür laut Google der Hersteller selbst eingebaut hat. Besonders unangenehm: Ein Teil der Geräte war von Google zertifiziert. Wir haben aus finnischer Sicht zusammengefasst, was das für Besitzer bedeutet.

Fakten auf einen Blick

  • Laut Google steckte die XCPE-Hintertür in mehr als 1,3 Millionen Geräten, verantwortlich war der Hersteller Videostrong aus Shenzhen
  • TrendAI zählte von Juni bis Oktober 1.472.554 infizierte Geräte in 206 Modellen und sieht das als Untergrenze
  • Synthient fand die Hintertür vorinstalliert auf einer Mecool KM9PRO Max
  • Wird die Hintertür entfernt, installiert sie sich nach einem Neustart erneut
  • Die Geräte wurden für Werbebetrug und den Verkauf von Heimanschlüssen als Proxys genutzt

Was ist passiert?

Laut dem Bericht der Google Threat Intelligence Group verkaufte Videostrong den Zugang zu den Geräten an kriminelle Partner. Diese spielten Module auf, die Werbebetrug begingen und fremden Datenverkehr über den Internetanschluss der Besitzer leiteten. Die Hintertür konnte außerdem Screenshots machen, Befehle ausführen und die App-Prüfung von Google Play Protect abschalten. Google schaltete die Steuerserver ab, beendete die Zusammenarbeit mit dem Hersteller und schätzt, dass damit auch der Zugriff auf mindestens 10 Millionen weitere infizierte Geräte gekappt wird.

Die Zahlen unterscheiden sich je nach Quelle: Google spricht von mehr als 1,3 Millionen, TrendAI von rund 1,47 Millionen Geräten. Laut TrendAI gab es die meisten Infektionen in Malaysia, Brasilien, dem Irak, Mexiko und Taiwan; Deutschland lag wie die USA, Großbritannien, Australien und Kanada bei jeweils etwa 26.000 bis 42.000 Geräten. Zahlen für Finnland wurden nicht veröffentlicht.

Warum das Play-Protect-Siegel nicht reichte

Das finnische Nationale Zentrum für Cybersicherheit rät, nur Play-Protect-zertifizierte Boxen zu kaufen. Das bleibt ein guter Rat, reichte diesmal allein aber nicht. Google räumt ein, dass Videostrong den Code so versteckte, dass er erst nach dem ersten Start nachgeladen wurde und die Tests umging. Laut The Hacker News stellte die Sicherheitsfirma Plume fest, dass im Botnetz sowohl zertifizierte als auch nicht zertifizierte Geräte steckten. Google hat seine Prüfungen inzwischen geändert.

So prüfst du deine eigene Box

  • Marke und Modell: Vergleiche deine Box mit dem Bericht von Synthient. Laut den Forschern beweist ein Modellname allein noch keine Infektion.
  • Zertifizierung: Öffne den Play Store, tippe auf das Profilsymbol → Einstellungen → Info und sieh dir die Play-Protect-Zertifizierung an.
  • Seltsame Anzeichen: Laut dem finnischen Zentrum gehören Werbung an Stellen, wo keine sein sollte, Weiterleitungen auf falsche Seiten, Apps, die sich selbst installieren, und Verbindungen zu unbekannten Adressen zu den Warnzeichen.
  • Nachricht vom Netzbetreiber: Wenn dein Anbieter meldet, dass über deinen Anschluss Schadverkehr lief, nimm das ernst.

Wenn du eine Infektion vermutest

Die Ratschläge gehen etwas auseinander. Plume empfiehlt das Zurücksetzen auf Werkseinstellungen, laut dem finnischen Zentrum verschwindet in die Firmware eingebettete Schadsoftware dadurch aber nicht. TrendAI zufolge braucht die Bereinigung Maßnahmen des Herstellers oder ein Ersatzgerät, und Synthient rät, die Boxen ganz loszuwerden. Am sichersten ist die finnische Empfehlung: Box vom Netz nehmen, nach einem offiziellen Update des Herstellers suchen und, falls es keines gibt, das Gerät zum Elektroschrott bringen. Ändere auf einem anderen Gerät die Passwörter der Dienste, die du auf der Box genutzt hast.

Der Hilavitkutin-Tipp

Bei einer neuen Box ist die billigste nicht die günstigste. Setz auf eine bekannte Marke, die Updates liefert, und kauf bei einem Händler in der EU. Google warnt außerdem vor Apps, die Geld für „ungenutzte Bandbreite“ versprechen. Laut dem finnischen Zentrum werden Heimgeräte auch über Apps als Proxys gekapert; in Finnland wurde im März 2026 Verkehr eines solchen Netzes fast 900-mal am Tag registriert.